Die Gesellschaftskritik hat viel für sich …

Apr 2013

Ge­setzt den Fall, man ba­det darin ei­ge­nes Ich:
So hat man ers­tens den Ge­winn,
Daß man sieht, wo man übe­r­all mit drin;
Zum zwei­ten schen­ken sich die Leut
Un­ter Le­bens­be­zug wahre Auf­merk­sam­keit;
Auch tappt man drit­tens ge­schick­ter ins Ge­wis­sen
Nun ver­ständ­li­che­ren Kri­ti­ker­güs­sen;
Und vier­tens pocht man au­ßer­dem
Auf Kom­pro­miss bei ei­nem gar abs­trak­ten Pro­blem.
So kommt es denn im­mer­fort her­aus,
Daß man leicht tra­gen­des Säul­chen in gro­ßem Haus.

 

Frei nach die­sem Ge­dicht von Wil­helm Busch:

Die Selbst­kri­tik hat viel für sich.
Ge­setzt den Fall, ich tadle mich:
So hab ich ers­tens den Ge­winn,
Daß ich so hübsch be­schei­den bin;
Zum zwei­ten den­ken sich die Leut,
Der Mann ist lau­ter Red­lich­keit;
Auch schnapp ich drit­tens die­sen Bis­sen
Vor­weg den an­dern Kri­ti­küs­sen;
Und vier­tens hoff ich au­ßer­dem
Auf Wi­der­spruch, der mir ge­nehm.
So kommt es denn zu­letzt her­aus,
Daß ich ein ganz fa­mo­ses Haus.

Anziehende Nacktheit

Apr 2013

Wie wirke ich an­zie­hend?
Auf je­der­frau und je­der­mann –
Bli­cke, die ich hin­ter­tau­che, be­son­ders an mir dran.

Geh weg, meine Tag­nackt­heit!
Ich ziehe dich bes­ser an!
Bleib bloß zweiäu­gig – Spiegelseit’!

Ab­wechs­lungs­rei­cher An­zug über­deckt das Bloße im­mer neu.
Drun­ter im Dun­keln das Uch! zum Glück kein Ba­de­ho­sen­über­streu
von wi­der­ha­ken­den Aug­pfeil’ – die strah­lebleich­weiß aus Sonnenschein.

Mich am tolls­ten An­ge­zo­ge­nen an­se­hend
nie­mand bes­ser an­ge­zo­gen sein kann –
bis über beide Oh­ren in mei­nem Bann.

Wie sah aus­ge­rech­net ich –
völ­lig ver­las­sene Na­tur denn aus?!
Könnt’ ich, ich würd’ ins Leckernacktenhaus!

»Hör auf, mich um deine Stel­len zu prel­len«,
flüs­tert meine Susi –
will mich gan­zen Käse, äh, mein gan­zes We­sen schmusi.

Ob uns da­bei je­mand zu­sieht?
Mit den Sor­gen möchte ich schlie­ßen,
möch­ten genießen.

Der In-Fettnäpfchen-Tapper

Dez 2012
Ei­gent­lich müsste alle Ge­sell­schaft ihn satthaben.
Doch hat der In-Fettnäpfchen-Tapper Gaben,
die man erst im Nach­hin­ein ignoriert,
Ehr­lich­keit ei­nem nicht nur signalisiert,
son­dern potz Blitz ein Le­bens­lüg­lein versimuliert.
Ohne dass die­ser Nichtsmerker
sich’s so schwer macht, je­nen Um­stand zu wollen.
Dem In-Fettnäpfchen-Tapper geht es auf die Vollen,
un­ab­sicht­lich muss er ei­nen ver­let­zen­den Queue schwingen,
der, je­des Mal über­ra­schen­der Dinge,
bis­wei­len auf ihn zu­rück, derb her­nie­der winken
kann – aus ei­nes ver­ständ­nis­lo­sen Men­schen un­be­herrsch­ter Hand.
Oder der In-Fettnäpfchen-Tapper war wirk­lich ein­fach dumm.

Aber die Schreck­se­kunde oft nach ei­ner kur­zen Weile um,
er ge­übt er­lan­gend selbst­ver­ständ­li­che Ver­zei­hung,
zu­neh­mend sym­pa­thisch er­schei­nend, da ge­zwun­gen zum Mut.
So sich an sei­nem Ge­gen­über ge­wohnt wendet’s,
ent­lohnt am Ende, dann ganz ohne »Tz!«, eine Ei­gen­art –
le­ben­di­gen Le­be­we­sen al­les an­dere als er­spart.
Auf eine Weise, die An­fang ab und an.

Kack Berlina Bildungshunga

Nov 2012

Ick uff de Hum­boldte stu­dieat,
ne an­tike Re­volte jerade nach­e­xa­ziert,
wie ick an een Mün­schna Ma­the­prof ge­riert,
der wie ori­ji­nal »Tach!« sachte,
und ooch noch frachte:
»Ey wat machste?«
»Na ey nüscht wa«, ick n Rück­zieha rausbrachte.

»Ia Ber­lina quatscht voll un­je­bil­det
in dit janze Uni­buil­ding«,
affte jetz ooch Eng­lisch­do­zente mia nach.
Aus früha Bri­tüsch Em­peire dit Schaf.

Ick hab je­macht, dat ick weg­komm.
Stu­dia jetze inna an­dern Ecke, Bonn.
Me­ene is mia zu ne libar­ale Stadt jeworden.

Seinsfaden

Nov 2012

Exis­tenz
Sein
benenn’s
nein
um­kränz
dein
Immens-
lein
grenz
ein
bewende’s
fein
Gänze
kein
Hände-
rein
stände
Stein




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